Kanu

Die zweitälteste Abteilung des Vereins RuWa Dellwig ist die Kanuabteilung. 1926 wurde sie von einigen Dellwigern mit damals noch selbstgebauten Booten gegründet und über die Jahrzehnte weiterentwickelt. Nach vielen erfolgreichen Jahren, in denen die Kanuten*innen national und international sehr erfolgreich waren, wurde es Anfang des Jahrtausends still um das einstige Aushängeschild am Kanal. Auch die idealen Trainingsbedingungen und das eigene Bootshaus neben dem Freibad Dellwig konnten daran nichts ändern.  

Im Jahr 2016 wurde dann ein neues Kapitel in der Geschichte der Kanuabteilung aufgeschlagen. Das frühere Clubmitglied Frank Goralski, zwischenzeitlich im Bereich des Kanubezirkes NRW erfolgreich als Trainer tätig, kehrte nach Essen-Dellwig zurück. Mit ein paar Kindern begann erneut das Training zum Aufbau einer Rennsportgruppe. Nachdem immer mehr Kinder und Jugendliche ihr Interesse am Kanusport entdeckten, konnte im Herbst 2017 der nächste Schritt getan werden. Die „RuWa Canoe Youngsters“ wurden gegründet. Dieses eigenständige Projekt unter dem Dach der Kanuabteilung von RuWa 1925 Essen-Dellwig e.V. widmet sich dem hoffnungsvollen Aufbau von Kindern und Jugendlichen zu Kanurennsportlern*innen.

Neben den mittlerweile schon recht erfolgreichen Wettkämpfern*innen können auch Anfänger*innen - vornehmlich im Sommer - am Training teilnehmen. In der warmen Jahreszeit steht natürlich das gezielte Training für den Kanurennsport im Vordergrund, während im Winter etwas für die Kraft und die Kondition getan wird. Die Voraussetzungen, die mitzubringen sind? Eigentlich müssen die Kinder und Jugendlichen nur schwimmen können, ansonsten reicht fürs erste Schnuppern wetterfeste Kleidung.

Bootshaus und Gelände zwischen Freibad und Rhein-Herne-Kanal

Das gut erhaltene Bootshaus inkl. der Außenanlagen wurde 1996 komplett renoviert und in einen damals zeitgemäßen Zustand versetzt. In der 1. Etage entstand eine heute verpachtete Gaststätte, zu der ein Biergarten mit Außentheke gehört. Im unteren Teil des Bootshauses ist der Sportbereich für die Kanuabteilung untergebracht. Die Sanitäranlagen, Duschen und Umkleideräume ebenso wie ein Kraftraum. Auch der Bootslagerraum für die Trainings- und Rennboote befindet sich hier. Als Versammlungs- und Entspannungstreffpunkt steht den Kanuten*innen ein großes, neu erbautes Blockhaus zur Verfügung. Direkt dahinter führt der Zugang zur vereinseigenen Steganlage am Kanal, die ausreichend bemessen ist und den Kanuten*innen gute Dienste leistet.

Kanurennsport | Kajak

Kanurennsport im Kajak

Vor allem durch die Medien wie TV und Internet entsteht gern der Eindruck, dass Kanusport in erster Linie eine Einzelsportart ist. Umso größer dann die Überraschung, wenn sich die große Bandbreite des Kanurennsports zeigt. Bei den Bootsklassen, die beim Kanusport mit dem Kürzel „K“ beginnen, reicht das Spektrum vom K1 (Einsitzer) über K2 (2 in einem Boot) bis zum K4 (vier Sportler*innen= 1 Boot). In jeder dieser Bootsklassen werden die Rennen getrennt ausgetragen. Für jede*n Aktive*n, die Zuschauer, die Funktionäre und Trainer*innen stellt eine andere Klasse/ein anderes Rennen den Höhepunkt jeder Regatta dar. Für den einen ist es das Sprintrennen über 200m, für die andere ein Langstreckenrennen über 2.000m der mehrsitzigen Boote.

Im K1 sitzt der Sportler/die Sportlerin also definitiv alleine. Da sich das Individuum nicht mit irgendjemandem absprechen oder aufeinander einstellen muss, fällt die Entscheidung, nach welchem Können, Wissen und Stil das Rennen absolviert wird, natürlich ebenso allein. Grundlagen, wie die Normen der Technik und die Erkenntnis, dass sich die Physik nicht überlisten lässt, bestimmen aber auch hier das Geschehen. Das Streben richtet sich einzig allein danach, als Erster/Erste vom Start weg ins Ziel zu kommen.

Nun möchte man aber auch die mehrsitzigen Boote ins Rennen schicken. Und hier wird es ebenso interessant wie kompliziert. Die Stärken und Schwächen, die individuellen sportlichen und auch menschlichen Eigenschaften zu erkennen und bestmöglich zu kombinieren, ist die hohe Kunst der Trainer. Nicht alles, was „auf dem Papier“ funktioniert, erbringt auch beste Leistung auf dem Wasser. Als erstes wird ein Schlagmann/eine Schlagfrau auf Position 1 (ganz vorne) gebraucht. Diese Position bestimmt die Frequenz und die Koordination im Boot, aber auch die Umsetzung der verabredeten Renntaktik. Wenn notwendig, werden von hier aus aber auch die Änderungen vorgenommen. Ganz anders zum Beispiel die Funktion der Position 4 (hinten). Hier sitzt der eher kräftige Athlet, der, wie sein weibliches Gegenstück, für den nötigen Schub sorgen muss. In der Mitte befinden sich im K4 die beiden „Allrounder“ die neben der Kraft die Koordination aufbringen, das gesamte Boot harmonisch voran zu bringen. Oftmals muss tatsächlich nach dem Prinzip „try and error“ vorgegangen werden, um die optimale Kombination von Sportlern und Sportlerinnen zu finden. Die Ausgestaltung der Besatzungen ist ein höchst komplexes Thema und wird vor allem in den höheren Weihen des Kanurennsports (national und international) oftmals langfristig erprobt, bis sich dann evtl. die „Super-Crew“ zusammenfindet. Die Bootsklassen unterliegen den folgenden technischen Regeln:

  •     Einer-Kajak   Höchstlänge 05,20 m    Mindestgewicht 12 kg
  •     Zweier-Kajak Höchstlänge 06,50 m    Mindestgewicht 18 kg
  •     Vierer-Kajak  Höchstlänge 11,00 m    Mindestgewicht 30 kg

Fahrer*innenklassen

Wie bei vielen anderen Sportarten, werden die Athleten*innen in die einzelnen Klassen unterteilt. Bereits im Kindesalter von 7 Jahren trifft man auf die erste Altersklasse. Das geschieht im Rahmen der sog. „Schülerspiele“. Hier kommt es darauf an, nicht nur im Boot die Schnelligkeitsleistung im Wettbewerb zu erbringen, sondern es werden noch mehr Fähigkeiten erwartet und begutachtet. Zum einen ist es die Geschicklichkeit im und die Beherrschung des Boots, die beim „Parcours“ überprüft wird. Und zum anderen die universelle Sport- und Ausdauerfähigkeit, die sich besonders im „Laufen“ zeigt. Diese Zeit dauert bis zum 12. Lebensjahr an und nennt sich „Schüler*in B“.

Dann geht es einen Schritt weiter, zu den „Schüler*innen A“. Hier werden die Schülerspiele durch die bekannten, klassischen Rennen ersetzt. Ohne Parcours oder sportliche Sonderleistung außerhalb des Bootes.

Die Klasse A endet dann mit dem Beginn des 16. Lebensjahres. Der Wechsel in die Jugendklasse steht an. Und damit ist quasi die Stunde der Wahrheit gekommen. In diesem Alter wird mehr und mehr deutlich, in welche Richtung die Entwicklung des Sportlers/der Sportlerin geht. Ist er/sie eher ein/eine Langstreckenspezialist*in oder doch der Kurzstreckentyp? Hier lässt sich die weitere Entwicklung noch maßgeblich beeinflussen. Die Endstufe ist natürlich die Leistungsklasse. Doch vorher kommt noch die Juniorenklasse. Ein entscheidender Zwischenschritt. Hier können die jungen Athleten*innen erstmalig in die „Deutsche Nationalmannschaft der Junioren*innen“ berufen werden. Bis dahin ist nur die Landesauswahl (Kader) möglich, was aber auch schon eine tolle Leistung wäre.

Die Athleten*innen ab dem 18. Lebensjahr treffen in der Leistungsklasse zusammen. Diese gliedert sich noch in die LK I und LK II, die „starke“ und „weniger starke“ LK. Diese Klasse wurde eingeführt, um die absoluten Spitzensportler*innen noch ein wenig von den „nur sehr guten“ Sportlern zu trennen. Das hat sicher auch mit der Förderung, den Trainingsbedingungen etc. zu tun. Später folgt dann noch die Altersklasse, die aber nur noch eine Unterteilung im Sinne der Chancengleichheit vornimmt. Jedem qualifizierten Sportler über 18 Jahren ist es erlaubt, in einer der beiden Leistungsklassen zu fahren.

Hier nochmal die Übersicht:

Schülerspiele (SSP) und Kanumehrkampf (KMK)

  • AK 07 – Schülermehrkampf
  • AK 08 – Schülermehrkampf
  • AK 09 – Schülermehrkampf
  • AK 10 – Schülermehrkampf
  • AK 11 – Schülermehrkampf
  • AK 12 – Kanumehrkampf
  • AK 13 – Kanumehrkampf

Schüler*innen A

Hier fahren die Jungen und Mädchen im Alter zwischen 13 und 15 Jahren. Das bedeutet aber, dass 14- jährige Jungen auch gegen 13-jährige Jungen (ebenso ist es natürlich bei den Mädchen) fahren. Somit ist jeder/jede  ein Jahr im Vorteil des Älteren und ein Jahr im Nachteil des Jüngeren.

Jugend

In der Jugendklasse fahren die Athleten*innen im Alter von 15 und 16 Jahren zusammen. Auf Landesebenen bilden sich über die Saison die Landeskader, über welche die Jugendlichen dann (wenn sie gut genug für einen Kader sind) auf den Deutschen Meisterschaften starten.

Junioren

Sind die Athleten*innen im Alter von 17 und 18 Jahren angekommen, kann den Sportler*innen erstmals der Berufung in die Nationalmannschaft glücken. Das passiert aber nicht einfach so, sondern über einen athletischen und zwei spezifische Tests und die Überprüfung vom Deutschen Kanuverband („Kienbaum und Rangliste“)

Leistungsklasse

Aufgliederung in LK I und LK II (die guten und „weniger guten“ Kanuten*innen). Jede(-r) Sportler*in ab 18 Jahre darf in einer der beiden Leistungsklassen starten.